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Verehrte Anwesende,

Vor 97 Jahren, am 09.November 1914 fand das Gefecht des Kleinen Kreuzers „Emden" mit dem Kreuzer „Sydney" der Königlichen Australischen Marine vor Keeling Island statt, bei dem 140 Seeleute während des Gefechts oder in seiner Folge ihr Leben gelassen haben.

Allen Gefallenen der beiden Schiffe zu Ehren, und in ehrendem Gedenken an den in aller Welt berühmten und geachteten Kommandanten der „Emden“, Kapitän zur See Karl v. Müller, legen wir heute an seinem Grabe unsere Kränze nieder.

Warum gerade hier am Grabe Karl von Müllers und warum gerade für diese beiden Besatzungen?

Der Kleine Kreuzer „Emden" hat zu Beginn des ersten Weltkrieges als Einzelschiff drei Monate überaus erfolgreichen Kreuzerkrieg im Indischen Ozean geführt. Schiffe der Alliierten konnten sich auf den Seewegen dieser Weltregion nicht mehr sicher bewegen. Das Schiff unter seinem Kommandanten Karl von Müller erregte mit seinen Erfolgen weltweit Aufmerksamkeit. Einheiten verschiedener Nationen setzten schon bald eine Suche und Verfolgung nach diesem legendären Schiff an, die ihresgleichen suchte. Dieser Verfolgung konnte sich die „Emden" zwei Monate lang mit Geschick, Wagemut und Glück entziehen, bevor sie schließlich von der „Sydney" gefunden wurde und es zum Gefecht kam.

Dieses Gefecht der zwei großartigen Kreuzer „SYDNEY" und „EMDEN" am 9.November 1914 kostete während neunzig Minuten Feuer aus 105 mm und 150 mm Kanonen 140 Seeleuten auf beiden Seiten das Leben, viele wurden schwer verletzt und weitere sollten in den Jahren danach noch an den Folgen sterben.

Aber seemännisches Geschick, Wagemut und Menschlichkeit auf der Seite der Schiffsführung und Tapferkeit, Haltung und Pflichtgefühl auf Seiten der Besatzung hatten ein einmaliges Kapitel der Seekriegsführung geschrieben.
Wir ehren einen Kommandanten und eine Besatzung, die weltweit bis heute einen außergewöhnlichen Ruf haben, ein Ruf, der untrennbar mit den Begriffen Menschlichkeit und Ritterlichkeit verbunden ist:
Karl von Müllers Handeln war stets geprägt von Menschlichkeit. So zollte er seinen Kriegsgegnern Respekt, indem er die Menschenrechte und die Menschenwürde achtete, Opfer möglichst vermied und dem geschlagenen und gefangenen Gegner die Würde ließ. Die persönliche Ehre der Besatzungen der aufgebrachten Schiffe blieb stets unangetastet, sie blieben menschlich auf „Augeshöhe" mit den Siegern und konnten erhobenen Hauptes in die Zukunft blicken. Dieses ungewöhnliche Handeln voller Fairness und Ritterlichkeit brachte ihm bald den inoffiziellen Beinamen des „Gentleman of War" . Für ihn selbst waren solche Worte allerdings eher unangenehm, denn er war ein sehr bescheidener Mann, für den Selbstverständlichkeiten nicht erwähnenswert waren.
Seine besondere Achtung der Menschenwürde spiegelt sich auch an anderer Stelle wider, nämlich in seinem besonderen Talent zur Menschenführung. Denn ebenso wie er die persönliche Ehre seiner Kriegsgegner respektierte, achtete er auch die seiner eigenen Männer. Dies führte zu tadelloser Haltung, Pflichtgefühl, glänzendem Korpsgeist und Opferbereitschaft seiner Besatzung. Sie standen hinter „ihrem Alten", getreu dem Motto: „mit diesem Kommandanten gehen wir in jedes Gefecht"!

Michael Jaguttis-Emden, Obermaschinistenmaat an Bord, schrieb zum 10jährigen Todestag des Kommandanten in der Berliner Börsen-Zeitung:

„Das Edle, Stolze und Hochherzige leuchtete wie Sonnenschein aus seinem Gesicht. Nach außen war er zurückhaltend, innerlich nahm er aber an allem teil. Um jeden Untergebenen, der mit seinen Sorgen zu ihm kam, kümmerte er sich und half, wenn es nicht anders ging, aus eigenem, wie wir es später in der Kriegsgefangenschaft öfter erlebten. Dort haben wir ihn denn auch kennengelernt, wie es an Bord eines Schiffes gar nicht möglich gewesen wäre...Innere Freiheit drückte seinem ganzen Wesen seinen Stempel auf; sein Charakter war so klar und ausgeglichen, nichts war an ihm Pose oder Absicht... Er schenkte seinen Untergebenen Vertrauen und ließ sie auf ihrem Gebiet schalten, wie sie es für gut erprobt hatten.... Liebe und Verehrung, Vertrauen und Hingabe wie sie Kapitan v. Müller von seiner Besatzung zuteil wurden, können nur durch rein menschliches Wohlwollen erworben werden. Das Besondere aber war, dass er dieses Wohlwollen gleichmäßig auf Freund und Feind übertrug...“

Dieser Geist macht das Besondere aus, für das Karl von Müller gestanden hat, er hat ihn an uns, die Nachkommen seiner Besatzung weiter gegeben und so ist dieser Geist für die Emdenfamilie Verpflichtung!

So wollen wir durch die heutige Kranzniederlegung der Verpflichtung folgen, mit dem Gedenken an das gute Vorbild und mit der Bitte, dass das Opfer der beiden Besatzungen nicht vergeblich war und auch in Zukunft zu friedlichem Miteinander in Menschlichkeit und Menschenwürde mahnt.

 

 

 

 

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